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MANNERHEIMS PROBLEME MIT DEM FINNISCHEN I

 

 

Umfragen zeigen es immer wieder:  Mannerheim ist der berühmteste Finne. Er ist  vor allem berühmt, weil er als oberster Befehlshaber im Zweiten Weltkrieg dazu beitrug, dass Finnland als eigenständige Nation bestehen konnte.

 

Obwohl er der berühmteste Finne ist, hatte Mannerheim mit der finnischen Sprache seine liebe Mühe.

 

 

Warum dies?

 

Dafür gibt es verschiedene Gründe:

 

 

 

Zuerst einmal: Mannerheim war zwar Finne.  Bis er 50 Jahre alt war, bestand für ihn weder beruflich noch privat ein Anlass dazu, Finnisch zu lernen.

 

Mannerheim Eltern war adlig. Zu der Zeit, zu der Mannerheim aufwuchs, sprachen Adlige in Finnland nicht Finnisch, sondern Schwedisch. Bei den Eltern von Mannerheim  kam noch Französische dazu: Der Vater von Mannerheim schätzte diese Sprache sehr, und so wurden Mannerheim und seine Geschwister schon als Kinder mit dem Französischen vertraut gemacht.


Privat gab es für Mannerheim kein Grund, Finnisch zu sprechen. 

 

Mannerheim war Berufsmilitär. Als solcher diente er in der russischen Armee - was weiter nicht erstaunlich ist, denn zu jener Zeit, zu der Mannerheim in der russischen Armee Karriere machte, gehörte Finnland zu Russland.  Verständlicherweise wurde in der russischen Armee Russisch gesprochen.

 

Während seiner Zeit als Berufsmilitär arbeitete Mannerheim am Zarenhof. Finnisch war auch dort nicht eine gebräuchliche Sprache: Man sprach Russisch und man sprach Französisch.

 

Mannerheim diente im Militär während des Russisch-Japanischen Krieges, und er diente auch in Warschau. Aber er war nie in Finnland  tätig. Finnisch sprechende Truppen hatte er  nie unter sich. Von da her bestand  für ihn kein Grund, Finnisch zu lernen.

 

Für einige Zeit hielt sich Mannerheim in China auf  - er bereiste im Auftrag des Zaren China und arbeitete dort als Spion: Er berichtete dem Zaren später über die militärische Situation in China.  Dabei brachte es Mannerheim zu einer gewissen Meisterschaft in der chinesischen Sprache - aber auch hier wurde kein Finnisch benötigt.

 

Hielt er sich in Finnland auf, traf er sich mit Leuten der Oberschicht. Doch diese sprachen Schwedisch. Und wollte er sich darüber informieren, was sich in Finnland so tat, standen ihm dafür Zeitungen zur Verfügung - in schwedischer Sprache natürlich.

 

 

1917 zerfiel Mannerheims Welt. Als Offizier hatte er dem Zaren gedient. Doch den Zaren und das Zarenreich gab es nach der Russischen Revolution nicht mehr. Und Mannerheim - als treuer Anhänger des Zaren - musste sogar um sein Leben fürchten.

 

So blieb ihm nur eine Option: Er ging zurück nach Finnland.

 

Finnland hatte sich 1917 zur eigenständigen Nation erklärt und  sich von Russland losgesagt. Den Politikern war damals klar, dass das neu geschaffene Finnland eine eigene Armee brauchte. Mannerheim schloss sich dieser Armee an. Dort machte er ebenfalls Karriere: Als Finnland kurz nach der Gründung in einen Bürgerkrieg verfiel, war er der Oberbefehlshaber der 'Weissen Truppen'. Unter seinem Kommando besiegten die 'Weissen Truppen' die 'Roten Truppen', die Finnland der Sowjetunion angliedern wollten.

 

Mannerheim trug damit massgeblich dazu bei, dass Finnland seine Eigenständigkeit  behalten konnte. Er war deshalb ein Nationalheld.

 

Mannerheim war damals 50 Jahre alt. Jetzt war er in Finnland, und jetzt hätte für ein Grund bestanden, Finnisch zu lernen. Doch der Nationalheld, der Finnlands Eigenständigkeit bewahrt hatte - dieser Nationalheld sprach so gut wie kein Finnisch: 1918 etwa verwickelte ihn ein Schuldirektor in ein Gespräch in finnischer Sprache. Das aber führte zu nichts, wie der leicht entnervte Direktor später zu berichten wusste: Mannerheim konnte sich absolut nicht in der finnischen Sprache unterhalten.

 

Mannerheim wusste um seine Unzulänglichkeit. Sie wurde ihm auch immer wieder von den finnischen Nationalisten unter die Nase gerieben, die sich über seine kargen Finnischkenntnisse lustig machten.

 

Gewiss versuchte Mannerheim, diesen Mangel wettzumachen. Aber zu einer Meisterschaft in der Beherrschung der finnischen Sprache brachte er es nie. Er lernte einige wichtige Sätze  auswendig, die er bei seinen Inspektionen an die Soldaten richten konnte. Er war jedoch nie fähig,  eine Rede in finnischer Sprache ohne fremde Hilfe zu formulieren, und er war auch nie fähig, Finnisch zu sprechen, ohne dass sich ein starker Akzent einschlich und ohne dass er bei der Betonung der Wörter daneben griff.

 

1886 hatte er in einem Brief prophezeit, dass die finnische Sprache eine harte Nuss für ihn sein würde. Wie sich zeigte, lag er damit richtig. 

 

Damit ist denn auch ein zweiter Grund genannt, weshalb Mannerheim nur schlecht Finnisch sprach: Finnisch ist nicht ganz einfach zu lernen,  vor allem, wenn man erst mit 50 Jahren damit beginnt -und das merkte auch Mannerheim

 

Es gibt jedoch noch einen dritten Grund:

 

Mannerheim war ein Mann von Adel. Er war der Baron Mannerheim. 

 

Als Mann von Adel  war Mannerheim nicht ganz frei von persönlichen Eitelkeiten. Man könnte vielleicht sogar auch sagen, dass er etwas hochnäsig war. Finnisch aber war in seinen Augen eine ungehobelte und geradezu barbarische Bauernsprache mit einer total verkorksten Grammatik. Als Mann von Adel wollte er sich damit eigentlich gar nicht beschäftigen.

 

 

 

Welche Rolle spielt Sprachtalent von Mannerheim?

 

 

 

 

Mannerheim sprach Schwedisch, Russisch, Französisch, Polnisch, Chinesisch und auch Deutsch - in seinem berühmten Tischgespräch mit Hitler unterhielt er sich mit ihm in der deutschen Sprache (wobei sich anhand des Gesprächs seine Deutschkenntnisse nur schwer beurteilen lassen: Wie dies so üblich war, sprach meistens Hitler, und Mannerheim hörte zu).

 

Womit dann klar ist: Mannerheims Finnisch scheiterte nicht an seinem Sprachtalent.

 

 

 

 

 

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