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DER FRIEDHOF DER FÄLLE

 

 

Die finnische Sprache kennt 15 Fälle. 

 

Das tönt schrecklich, ist aber nur halb so wild.

 

Es ist zum Beispiel deshalb nur halb so wild, weil 3 dieser Fälle nicht mehr produktiv sind, wie die Sprachwissenschafter dies auszudrücken belieben.

 

Will heissen: Diesen Fällen begegnet man ab und zu in einigen finnischen Wörtern.  Sonst aber werden sie nicht mehr gebraucht. Sie sind also tatsächlich auf dem Wortfriedhof gelandet.

 

Die drei Fälle tragen hübsche Namen, die Sie sicher noch nie gehört haben:

 

 

(1)

Da ist erstens der Abessiv. Es ist der 'Ohne-Fall'. Man bildet ihn, indem man an ein Wort -tta oder -ttä anleimt.

 

raha heisst Geld, rahatta heisst ohne Geld.

 

 

(2)

Da ist zweitens der Instruktiv. Man könnte ihn als 'Art-und-Weise-Fall' übersetzen.

 

Gebildet wird er mit einem n, den man an ein Wort anhängt.

 

omin silmin heisst: mit den eigenen Augen.

 

 

(3)

Drittens ist da der Komitativ. Er entspricht im Deutschen einem 'mit-Fall' und wird mit der Silbe ine gebildet: kippoineen ja kappoineen  -  mit Kind und Kegel.

 

 

Sie sind tatsächlich alt, diese Fälle. Man braucht sie nicht mehr, weil sie im Finnischen durch andere Wörter ersetzt werden.

 

Hat man kein Geld bei sich und auch keinen Pass, sagt man deshalb ilman rahaa und ilman passia:  Das Wort ilman heisst ohne.

 

Vielleicht fällt Ihnen auf, dass hier die finnische Sprache auf das Anleimen verzichtet: An das Wort raha wird kein -tta mehr angeleimt. Stattdessen verwendet man die Präposition ilman, die vor dem Wort  Geld steht.

 

 

Man sagt, dass dies nicht von ungefähr kommt. Der Einfluss der englischen Sprache macht sich bemerkbar. Diese kann mit dem Anleimen wenig anfangen  und setzt lieber auf die Präpositionen. Die finnische Sprache tut es ihr gleich.

 

 

 

 

 

Auch im Deutschen gibt es Wörter, die man nicht mehr verwendet. Sehen Sie hier.

 

 

Beispiele aus Karlsson: Finnische Grammatik und H. Low: Finnisch Wort für Wort.

 

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