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WIR BAUEN UNS EINE SPRACHE I

 

 

Weil Agricola - der im bürgerlichen Leben  Mikael Olavinpoika hiess - ein sprachbegabter und ehrgeiziger Mann war, erhielt er ein Forschungsstipendium: Er durfte nach Deutschland zu Martin Luther gehen.

 

Luther war der Auffassung, dass die Bibel den Leuten in ihrer Muttersprache dargeboten werden sollte. Zu diesem Zweck übertrug er die Bibel ins Deutsche.

 

Agricola war der Auffassung, dass die Bibel den Leuten in ihrer Muttersprache dargeboten werden sollte. Zu diesem Zwecke übertrug er die Bibel (oder zumindest Teile davon) ins Finnische.

 

 

Agricola konnte die Bibel jedoch nicht einfach ins Finnische übersetzen. Zur Zeit von Luther und von Agricola gab es noch so gut wie noch kein geschriebenes Finnisch  - sieht man von finnischen Orts- und Flurnamen ab, die gelegentlich in den schwedisch geschriebenen Gerichtsprotokolle aufzufinden sind.

 

 

Damit war die Aufgabe für Agricola klar: Wollte er die Bibel in die finnische Sprache übertragen, musste er zuerst einmal die finnische Schriftsprache erfinden.

 

 

Das war nicht einfach.

 

 

 

I.

Die Probleme begannen bereits mit der Wahl der Wörter.  Denn das Finnische der damaligen Zeit war alles andere als eine einheitliche Sprache. Es zerfiel in verschiedene Dialekte.  Ein und dasselbe Wort wurde je nach Dialekt  verschieden ausgesprochen. Und ausserdem war es bereits damals so, wie es in den Dialekten auch heute noch ist: Für ein und dieselbe Sache verwendet man je nach Dialekt ganz verschiedene Ausdrücke.

 

Das stellte Agridola vor eine Aufgabe, die sprachpolitisch heikel war. Wurden für einen Gegenstand verschiedene Begriffe verwendet, musste er sich entscheiden: Aus den verschiedenen Dialekten musste er einen Dialekt  herausgreifen und die Wörter dieses Dialekts in die Schriftsprache übernehmen.

 

Heikle war dies natürlich, weil sich da Empfindlichkeiten auftaten. Agricola wählte den Dialekt aus, der damals Turku gesprochen wurde. Das macht zwar Sinn, weil zu dieser Zeit war Turku die Hauptstadt Finnlands war. Agricolas Vorgehen verärgerte jedoch die Leute, die nicht in Turku wohnten und die einen anderen Dialekt sprachen: Sie fragten sich verärgert, weshalb nicht Wörter aus ihrer Sprache die Ehre hatten, in die Schriftsprache überführt zu werden.

 

Die Streiterein, die damals entstanden, waren heftig. Es dauerte weit über die Lebzeiten von Agricola hinaus, bis man sich einigermassen zusammengerauft und die Verwendung der einzelnen Dialekte so fein austariert hatte, dass sich die Menschen in Finnland damit arrangieren konnten.

 

 

 

II.

 

Stehen die Wörter fest, kommt das nächste Problem. Die Wörter wurden im Alltag verwendet, wenn die Leute miteinander sprachen. Nun aber ging es darum, diese Wörter in die Schrift zu überführen. Dazu musste man überlegen, mit welchen Buchstaben die einzelnen Wörter geschrieben werden sollten.

 

Auch das ist jedoch nicht ganz einfach. Wörter werden nicht immer so gesprochen, dass sie exakt einem bestimmten Buchstaben entsprechen. Agricola tat sein Bestes, doch es ist offensichtlich, dass er mit diesem Problem nicht ganz zugange kam. Um ein und dasselbe Wort zu schreiben, verwendete er verschiedene Buchstaben.

 

Die Rechtschreibung seiner  Wörter war damit oft ziemlich wackelig. Mal schrieb er ein Wort so und mal wieder anders.

 

 

 

III.

Als Agricola festgelegt hatte, wie er die Wörter scheiben wollte, konnte er sich daran machen, die Bibel in der finnischen Sprache zu schreiben. Doch dies nützte niemandem etwas, so lange die Texte nicht gedruckt und in Buchform publiziert werden konnten.

 

Auch das war eine dornenvolle Angelegenheit:  Bücher konnte man damals nicht gratis und franko ins Internet stellen. Man musste sie setzen lassen, und das war eine sündteure Angelegenheit. Für sie musste Geld aufgetrieben werden.

 

Agricola hatte sein liebe Mühe, das notwendige Geld  zusammenzukratzen, obwohl er sich alle Mühe gab..

 

Mit der Zeit kam er dann auch so weit, dass zumindest einige seiner Manuskripte in Buchform publiziert werden konnten.

 

Das wiederum konnte nur in einer Buchdruckerei geschehen. Was dann insofern ein Problem war, als dass es im Finnland von damals keine einzige Druckerei gab. 

wobei Agricola dies erst tun konnte, als er eine Buchdruckerei gefunden hatte. Eine solche musste im Ausland gefunden werden.

 

 

IV.

Die gedruckten Bücher konnten den Pfarrherren zugestellt werden. Diese waren froh darüber, dass sie schriftlichen Unterlagen hatten, wenn sie Gottesdienste feiern und in diesen Gottesdiensten predigen wollten.

 

Und sonst?

 

Der Mann von der Strasse aber konnte mit den Büchern nichts anfangen. Kaufen konnte er sie nicht, denn dazu fehlte ihm das Geld. Der Kauf von Büchern war damals etwas für die Superreichen.

 

Selbst wenn für den Mann von der Strasse das Geld vorhanden gewesen wäre, hätten ihn die Bücher nicht weitergebracht: Damals konnten die Leute gar nicht lesen.

 

 

 

So hatte Agricola also die finnische Schriftsprache gebaut. Die Auswirkung blieb aber überschaubar klein. Die geschriebene finnische Sprache wurde in kirchlichen Kreisen zwar gebraucht. Im Übrigen aber schlummerte sie ihren seligen Dornröschenschlaf  - so lange, bis sie einige Jahrhundert später und in einem ganz anderen als dem kirchlichen Zusammenhang aufgeweckt wurde.

 

Doch dies ist eine andere Geschichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinzu kam noch, dass es bei einzelnen Lauten schwierig war, die entsprechenden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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