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MANNERHEIMS PROBLEME MIT DEM FINNISCHEN II

 

 

Mannerheim hatte mit dem Finnischen seine liebe Mühe. Mannerheim war ein Mann von Adel, und die finnische Sprache kam ihm ziemlich ungehobelt vor.

 

Dass sich Mannerheim mit dem Finnischen schwer tat, hat auch mit seiner Biographie zu tun.

 

Mannerheim war Berufsmilitär. Als solcher diente er in der russischen Armee - was weiter nicht erstaunlich ist, denn zu jener Zeit, zu der Mannerheim in der russischen Armee Karriere machte, gehörte Finnland zu Russland.

 

Mannerheims Militärkarriere war beachtlich. Er war ein sehr fähiger Front-Offizier, der es bis zum General brachte: 1915 wurde er Kommandant eines Kavalleriekorps, und in den beiden folgenden Jahren befehligte er nicht weniger als 40'000 Soldaten.

 

Mannerheim diente im Militär während des Russisch-Japanischen Krieges, und er diente auch in Warschau. Aber er war nie in Finnland als Offizier tätig. Finnisch sprechende Truppen hatte er deshalb nie unter sich. Von da her bestand  für ihn kein Grund, Finnisch zu lernen.

 

Auch in seinem Privatleben brauchte er kein Finnisch: Hielt er sich in Finnland auf, traf er sich mit Leuten der Oberschicht. Doch diese sprachen Schwedisch. Und wollte er sich darüber informieren, was sich in Finnland so tat, standen ihm dafür Zeitungen zur Verfügung - in schwedischer Sprache natürlich.

 

 

1917 zerfiel Mannerheims Welt. Als Offizier hatte er dem Zaren gedient. Doch den Zaren und das Zarenreich gab es nach der Russischen Revolution nicht mehr. Und Mannerheim - als treuer Anhnhänger des Zaren - musste sogar um sein Leben fürchten.

 

So blieb ihm nur eine Option: Er ging zurück nach Finnland.

 

 

Finnland hatte sich 1917 zur eigenständigen Nation erklärt und  sich von Russland losgesagt. Den Politikern  war damals klar, dass das neu geschaffene Finnland eine eigene Armee brauchte. Mannerheim schloss sich dieser Armee an. Dort machte er ebenfalls Karriere: Als Finnland kurz nach der Gründung in einen Bürgerkrieg verfiel, war er der Oberbefehlshaber der 'Weissen Truppen'. Unter seinem Kommando besiegten die 'Weissen Truppen' die 'Roten Truppen', die Finnland der Soejetunion angliedern wollten.

 

Mannerheim trug damit massgeblich dazu bei, dass Finnland seine Eigenständigkeit  behalten konnte. Er war deshalb ein Nationalheld.

 

 

Doch der Nationalheld, der Finnlands Eigenständigkeit bewahrt hatte  - dieser Nationalheld sprach kein Finnisch: 1918 etwa verwickelte ihn ein Schuldirektor in ein Gespräch in finnischer Sprache. Das aber führte zu nichts, wie der leicht entnervte Direktor später zu berichten wusste: Mannerheim konnte sich absolut nicht in der finnischen Sprache unterhalten.

 

Mannerheim wusste um seine Unzulänglichkeit. Sie wurde ihm auch immer wieder von den finnischen Nationalisten unter die Nase gerieben, die sich über seine kargen Finnischkenntnisse lustig machten.

 

Gewiss versuchte Mannerheim, diesen Mangel wettzumachen. Aber zu einer Meisterschaft in der Beherrschung der finnischen Sprache brachte er es nie. Er lernte einige wichtige Sätze  auswendig, die er bei seinen Inspektionen an die Soldaten richten konnte. Er war jedoch nie fähig,  eine Rede in finnischer Sprache ohne fremde Hilfe zu formulieren, und er war auch nie fähig, Finnisch zu sprechen, ohne dass sich ein starker Akzent einschlich und ohne dass er bei der Betonung der Wörter danebengriff.

 

1886 hatte er in einem Brief prophezeit, dass die finnische Sprache eine harte Nuss für ihn sein würde. Wie sich zeigte, lag er damit richtig.

 

Und so hatte er nicht nur deshalb seine liebe Mühe mit dem Finnischen, weil ihm diese Sprache ungehobelt vorkam. Er hatte auch deshalb Mühe mit ihr, weil er nie den Zugang zu dieser schwierigen Sprache gefunden hatte - zu einer Sprache, mit der er sich notabene erst ab 1917 und damit als bereits 50-jähriger Mann ernsthaft zu beschäftigen begonnen hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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