BESTseller: jalmari finnes kinderbücher

 

 

Es sei, so vermerkt Finne in seiner Autobiographe, purer Zufall gewesen, dass er mit dem Schreiben von Kinderbüchern begonnen habe: Eine Bekannte hatte ihn gebeten, etwas Vergnügliches zu schreiben.

 

So begann Finne, der nicht verheiratet war und keine eigenen Kinder hatte, Bücher für Kinder zu schreiben.

 

 

Finne schrieb zuerst Geschichten, die mehr oder weniger dem gleichen Muster aufgebaut sind: Es sind Geschichten von Kindern, die am russisch-schwedischen Krieg teilnehmen und dort Heldentaten vollbringen. Sie retten zum Beispiel einem General das Leben. Zuweilen bezahlen die Kinder ihr heldenhaftes Verhalten mit ihrem eigenen Leben.

 

Nach unserem heutigen Empfinden triefen diese Geschichten geradezu vor Pathos.

 

 

 

Dann aber schrieb Finne Geschichten, die von jedem Pathos und von jedem heldenhaften Tun weit entfernt sind: Er schrieb die Erlebnisse der Kiljunen-Familie.

 

Die Familie, die Finne beschreibt, setzt sich auf einer Mutter, einem Vater und zwei Söhnen zusammen; hinzu kommt ein Hund.  Die zwei Söhne sind am gleichen Tag geboren, und so können wir davon ausgehen, dass er sich um Zwillinge handelt. 

 

Die Söhne sind keine bösen Kinder. Aber es sind Kinder, die das Pech anziehen: Was immer sie auch tun, endet in in einem Chaos.

 

Daran, dass es zu einem Aufruhr und zu einem Chaos kommt, sind die Eltern nicht unschuldig. Auch sie ziehen das Pech fast magisch an. Und für einen Aufruhr sorgen sie, indem sie ständig brüllen und kreischen: Keines der Familienmitglieder kann sich in einem normalen Ton ausdrücken. Auch wenn dazu kein Grund besteht, wird in der Familie gebrüllt und gekreischt  - die Familie heisst zwar nicht so, aber sie wird von den anderen Leuten 'Familie Kreisch' genannt.

 

Erste Geschichten für Kinder schrieb Finne in einer Zeitschrift. Vom Erfolg war er selber überrascht: Die jugendlichen Leserinnen und Leser wandten sich an den Herausgeber der Zeitschrift und wünschten ausdrücklich,  mehr von Finne zu hören.

 

Finne tat ihnen den Gefallen.

 

 

Das erste Buch über die Erlebnisse der Familie Kreisch wurde 1914 publiziert. Es erschien kurz vor Weihnachten. Das Buch war ein durchschlagender Erfolg. Eine erste Auflage war schnell einmal verkauft, einer zweiten und wesentlich grösseren dritten Auflage erging es gleich.

 

Offensichtlich waren die Kinder der damaligen Zeit restlos begeistert von den Erlebnissen dieser so merkwürdigen Familie. Und wahrscheinlich waren die Kinder aus den gleichen Gründen begeistert, wie es die Kinder gewesen sind, die seinerzeit die Bücher von Pippi Langstrumpf verschlungen haben: Die beiden Söhne der Familie Kreisch sind, ebenso wie Pippi Langstrumpf,  Kinder, die ständig gegen die strikten Normen der Erwachsenenwelt verstossen - auch wenn zwischen Pippi Langstrumpf und den beiden Söhnen der Familie Kreisch ein Unterschied besteht: Pippi verstösst bewusst  gegen die Normen der Erwachsenen; die beiden Söhne Mökö und Lulu dagegen tun dies nicht. Gutmütig und unbedacht wie sie sind, stolpern sie von der einen Katastrophe zur nächsten. Und nie verhalten sie sich so, wie sich tüchtige und brave Kinder verhalten sollten.

 

 

Dass die Kinder an den Erlebnissen von Mökö und Lulu ihre helle Freude hatten, beschreibt Finne sehr eindrücklich: Als er in einer finnischen Stadt eine Lesung veranstaltete, machten sich 700 Kinder auf den Weg zu dem Ort, wo die Lesung stattfand. Und während dieser Lesung konnte Finne mit Vergnügen einem kleinen jungen zuschauen, der dermassen heftig lachte, dass er vor Lachen ständig vom Stuhl purzelte.

 

Finnes Kinderbücher waren extrem populär - das zeigt sich auch an den Verkaufszahlen: Finnes Kinderbücher dürften im damaligen Finnland im Vergleich etwa so gut verkauft worden sein, wie dies bei den Büchern von Harry Potter der Fall war. 

 

 

Wie Finne festhält, hatten die Bücher der Kreisch-Familie einen angenehmen Nebeneffekt: Sie brachten ihm Geld ein. Und so bekennt er sehr freimütig:

 

 

 

"Wann immer ich Geld benötigte, war ich mir sicher, dass ich es von den Kreischens erhalten würde, und so schrieb ich eine weitere Geschichte von ihnen." 

 

 

Allerdings gab es später auch eine Zeit, zu der Finne die Familie Kreisch satt hatte. Es war ihm verleidet, sich ständig neue Geschichten über die Eltern, die beiden Söhne und die kleine Tochter auszudenken, die später noch dazu kam. Trotzdem schrieb Finne weiter - die Kinder drängten ihn dazu, und da war auch noch der monetäre Aspekt, den es zu beachten galt: Jalmari Finne hatte, zumindest am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere, Mühe, sich zu etablieren: Sein Bücher liefen nicht besonders gut, und auch seine Theaterstücke waren wenig erfolgreich -  da war es für ihn wichtig, sich eine zuverlässige Verdienstquelle zu schaffen.

 

 

 

Es ist jedoch offensichtlich, dass Finne die Kinderbücher nicht nur wegen des Geldes schrieb. Die Kinderbücher bedeuteten ihm sehr viel:

 

 

 

Wenn ich mein schriftstellerisches Werk auf eine Waage legen würde,

würde ich auf die eine Waagschale meine Kinderbücher und auf die andere Waagschale mein restliches Werk legen.

 

Und die Waagschale mit den Kinderbüchern würde sich als gewichtiger erweisen.

 

 

Jalmari Finne

 

 

 

 

Wie sieht es heute aus? Finnes Kinderbücher sind nicht ausgestorben. Es gibt sie in Finnland immer noch, und man kann sie immer noch kaufen.  

 

Die Bücher sind zudem auch fürs Theater umgeschrieben worden und werden auch heute noch aufgeführt.

 

Und auffallend ist auch dies:

 

Schulen in Finnland führen manchmal Listen, auf denen die finnischen Bücher aufgeführt sind, die man unbedingt lesen muss  - und da gehören auch die Bücher der Familie Kreisch dazu.

 

 

 

 

 

Quellen

 

 

https://shl.fi/2015/04/07/jalmari-finne-oli-tyon-ja-mielikuvituksen-mies/#14c5b400  Z  12 11 2020

 

https://kangasalansanomat.fi/jalmari-finne-oli-oman-aikakautensa-todellinen-moniosaaja-595     Z 9 11 2019

 

Finne, Jalmari: Ihmeellinen Seikkkailu. Gummerus Osakehytö, Jyväskylä / Helsinki 

 

https://issuu.com/pukstaavi/docs/mika___meteli

 

Kanerva, Unto (ed):  Jalmarai Finne. Työn ja mielikuvituksen mies. Hämeen Heimoliiton Julkaisu, Hämeenlinna, 1974, ISBN 951-23-0829-0

 

Katri Syr: Jalmari Finnen  lasten- ja nuortenkirjoja, 2008   https://lastenkirjainstituutti.fi/2016/wp-content/uploads/2017/11/Jalmari-Finnen-lastenkirjoja.pdf 

 

Zitat von Jalmari Finne; aus Kanerva und aus Ihmellinen Seikkailu.