die familie schreihals

 

 

 

 

Die Familie Schreihals lebte auf dem Land. Sie besass dort einen Gutshof. Die Familie war zu viert: Der Vater Schreihals, ein kleingewachsener, molliger und glatzköpfiger Mann; die Mutter Schreihals, eine triefäugige Frau, die dünn wie ein Stecken war, und schliesslich die Söhne Mökö und Luru, die beide gleich alt waren. 

 

Mökö glich dem Vater, und man kann daraus ableiten, dass er nicht besonders schön war. Eine Glatze hatte er zwar nicht, aber sonst glich er dem Vater aufs Haar. Luru wiederum glich seiner Mutter, und man kann von da her ableiten, dass auch er keine Schönheit war.

 

Mökö und Luru hiessen eigentlich Mikael und Lenhart, doch da sich niemand mehr daran erinnerte, wurden die beiden Mökö und Luru genannt.

 

Die Familie hiess im Übrigen auch nicht Schreihals, sondern Kiljander. ‘Schreihals’ nannte man sie, weil alle in der Familie immer mit einer lauten Stimme sprachen. Leise zu sprechen vermochten sie nicht. Stattdessen brüllten und kreischten sie. Und sie schrien und kreischten immer, geschehe, was wolle, Gutes oder Schlimmes. So kam es, dass alle von der Familie 'Schreihals' sprachen – und die Familie Kiljander ging mit der Zeit ebenfalls davon aus, dass ihr eigentlicher Name 'Schreihals' sei.

 

Die Familie hatte beschlossen, einen Ausflug nach Helsinki zu unternehmen. Vater und Mutter waren natürlich schon dort gewesen, die Knaben jedoch noch nie. Und da Mökö und Luru 9 Jahre alt waren und im Herbst in Helsinki zur Schule gehen mussten, entschieden sich der Vater und die Mutter dazu, ihnen die Stadt zu zeigen, damit sie sich dort nicht verlaufen würden.

 

 

Es war der 30. Juni, und schon am Morgen begannen alle von der Familie, sich für die Reise bereit zu machen. War das ein Geschrei und ein Geklapper, bis jedes von der Familie seine Sachen zusammengetragen hatte! 

 

Die Knaben wollten ihren Hund mit nach Helsinki nehmen, damit auch er sich die Stadt anschauen konnte. Dieser Hund war  ein kleiner und dicker Pudel, und sein Name lautete Pulla – also genau gleich wie das runde, süsse Gebäck, das man in Finnland mit Begeisterung isst.

 

Allerdings musste Pulla zuerst gefasst werden, damit man ihm die Leine anlegen konnte, an dem man ihn führen würde. Aber als Mökö mit der Leine in der Hand sich dem Hund näherte, ergriff dieser die Flucht. Er sprang in den Hof, und Mökö und Luru folgten ihm. So ein Lärm! Sogar die Leute in der Nähe fragten sich: Was ist denn bei der Familie Schreihals los, dass sie heute dermassen laut schreit? 

 

Schliesslich konnten die Söhne dem Hund eine Leine anlegen.

 

Dann aber versteckten sich die beiden Söhne selber. Mökö hatten die Eltern bald einmal gefunden. Luru  stellte sich schlauer an: Ohne dass es jemand merkte, versteckte er sich in einer Truhe, in der die Eltern Schreihals ihre Kleider gepackt hatten, und machte diese Truhe von Innen her zu. Dass er dort drinnen nur wenig Luft bekam, störte ihn vorderhand nicht. Er dachte sich nur, dass Mökö ganz gewiss sein Versteck nicht finden würde.

 

Mökö fand das Versteck tatsächlich nicht. Ein Knecht lud die Truhe auf einen Wagen,  spannte ein Pferd vor und machte sich mit dem Wagen auf den Weg zum Bahnhof.

 

Mit der Zeit fiel es Luru zunehmend schwerer, in der Truhe zu atmen, denn die Luft wurde ihm knapp. Er begann zu schreien und man kann davon ausgehen, dass er auch gehört wurde – immerhin war er der Sohn der Familie Schreihals. Der Knecht, der auf dem Bock des Wagens sass, erschrak. Auch das Pferd erschrak, und nach kurzer Zeit waren der Knecht, das Pferd und die Truhe mit Luru als Inhalt im Strassengraben gelandet. Der Knecht versuchte die Truhe zu öffnen. Doch das ging nicht - sie war verschlossen.

 

Der Knecht liess das Pferd stehen und rannte zum Haus der Familie Schreihals zurück.

 

«Luru liegt im Strassengraben, in einer Truhe drin!», brüllte der Knecht. 

 

Der Vater und die Mutter schrien vor Angst auf. Und das hörte man weitherum, denn es waren immerhin die Eltern Schreihals,  die da schrien. Um schneller am Ort zu sein, fuhren sie mit einem anderen Pferdwagen zu der Stelle, an der sich Luru in der Truhe befand.

 

Die Truhe stand auf dem Kopf. Die Eltern und der Knecht drehten sie um und öffneten sie. Luru kroch heraus.  Merkwürdigerweise schrie er diesmal nicht. Auch sonst blieb er für einige Zeit ruhig: Die Luft war ihm wirklich knapp geworden. 

 

aus;

 

 

 

 

 

 

 

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