EINE ZIEMLICH KURZE GESCHICHTE DER FINNISCHEN SPRACHE

 

 

 

 

 

 

Es ist auch heute noch so: Man ist sich nicht einig darüber, woher das Finnische kommt, und man ist sich auch nicht einig darüber, seit wann es das Finnische gibt.

 

 

Sicher ist jedoch dies:

 

 

Finnland gehörte lange Zeit zu Schweden. Die vornehmeren Leute sprachen damals Schwedisch. Schwedisch wurde in den Schulen gesprochen und geschrieben. Schwedisch wurde in der Verwaltung verwendet. Und Schwedisch war auch die Sprache, in der die Gerichte ihre Urteile fällten.

 

Kurz gesagt: Wer es in Finnland  zu etwas bringen wollte, musste  Schwedisch können.

 

 

Und das Finnische?

 

Das Finnische wurde von den gewöhnlichen Leuten im Alltag gesprochen. Die Mehrbesseren verachteten diese Sprache.

 

 

 

Geschrieben wurde die finnische Sprache bis vor rund 500 Jahren nicht. Das änderte sich erst während der Reformation. Damals übersetzte ein Finne namens Agricola Teile des Alten und Neuen Testaments ins Finnische: Die Gläubigen in der Kirche sollten das Wort Gottes in ihrer Mutersprache vernehmen können.

 

(Agricola hiess übrigens nicht so. Er war des Sohn eines Bauern, und als er eine akademische Karriere machte, verlieh er sich den Namen Agricola  - was lateinisch ist und Bauer heisst.)

 

Dass Agricola verlangte, die Bibel und wichtige Gebete ins Finnische zu übersetzen und sie damit dem gewöhnlichen Volk zugänglich zu machen, kommt nicht von ungefähr. Agricola hatte bei Luther studiert und von ihm diese Idee übernommen).

 

 

Das geschriebene Finnisch wurde damals in der Kirche verwendet. Im Übrigen aber änderte sich nicht viel. Die Mehrbesseren sprachen und schrieben weiterhin Schwedisch, die gewöhnlichen Leute sprachen Finnisch.

 

 

 

 

Anfangs des 19. Jahrhunderts änderte sich dies.  Der Nationalitätengedanke kam auf: Man war der Meinung, die Menschen sollten sich zu Nationen zusammenschliessen. Und die Sprache einer Nation sollte das Bindeglied unter den Menschen dieser Nation sein.

 

 

Finnland wollte sich ebenfalls zu einer eigenen Nation entwickeln. Dass die Sprache dieser künftigen Nation Finnland Finnisch sein sollte, lag auf der Hand.

 

 

Das gelang jedoch nur, wenn zwei Ziele erreicht wurde:

 

Erstens musste das bislang nur gesprochene Finnisch zu einer Sprache werden, die auch geschrieben werden konnte - und zwar in allen Lebensbereichen und nicht nur im kirchlichen Raum.

 

Und zweitens musste das Finnische das Schwedische verdrängen: War das Schwedische bis anhin die Sprache gewesen, die in der Bildung, der Verwaltung und im Gerichtswesen verwendet wurde, musste dieses zurückstecken. Es musste durch die künftige Nationalsprache Finnisch ersetzt werden.

 

Es ist ganz klar, dass dies nicht ohne beträchtlichen Widerstand gelang. Die Menschen zum Beispiel, die in der Verwaltung arbeiteten, hat während ihres ganzen Berufslebens die schwedische Sprache verwendet. Dass sie nicht die geringst Lust hatten, ihre künftige Verwaltungstätigkeit in Finnisch zu erledigen, liegt auf der Hand. Und genau so ging es den Leuten im Bildungswesen und in den Gerichten: Sie wehten sich mit Händen und Füssen gegen das Finnische.

 

Trotzdem gelang es den Vertretern des Finnischen, die schwedische Sprache zu verdrängen  - und zwar innerhalb weniger Jahrzehnte.

 

 

Finnisch wurde neben dem Schwedischen als eine der Nationalsprachen anerkannt: Es war nun die Sprache, die in der Kirche, in den Schulen, in den Amtsstuben und auch in den Gerichtssälen verwendet wurde. Das Schwedische wurde dagegen ziemlich bedeutungslos: Heute sprechen in Finnland noch rund 5% der Leute Schwedisch.

 

 

Die ehemalige Bauernsprache hat in der Tat Karriere gemacht.

 

 

 

 

 

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