ELIAS LÖNNROT

 

DER ZWEITE VATER DER  FINNISCHEN SPRACHE

 

 

 

 

 

Michael Agricola legte die Grundlagen für die geschriebene finnische Sprache.

 

Agricolas Ziel war dabei klar: Es ging darum, die Inhalte der christlichen Glaubens in der Muttersprache der Gläubigen - und damit im Finnischen - vermitteln zu können.

 

 

Über eine lange Zeit entwickelte sich das geschriebene Finnisch kaum. Es blieb auf den kirchlichen Bereich beschränkt. Sonst spielte es praktisch keine Rolle. Die Sprache der Gerichte, der Schulen und der Verwaltung war das Schwedische.

 

Fortschritte zeigten sich erst im 19. Jahrhundert.

 

1831 wurde die Finnische Literatur-Gesellschaft gegründet - es war dies eine Gesellschaft, die für die Entwicklung der finnischen Schriftsprache sehr bedeutsam war, auch wenn sie zum Teil ihre Protokolle in schwedischer Sprache verfasste...

 

 

Zu den Gründungsmitgliedern dieser Gesellschaft gehörte Elias Lönnrot. In der Geschichte der finnischen Sprache nimmt er neben Agricola einen Ehrenplatz ein.

 

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die finnische Sprache eine Alltagssprache, die von der bäuerlichen Bevökerung gesprochen wurde. Lönnrot trug dazu bei, dass aus dieser Alltagssprache eine Kultursprache wurde, die auch geschrieben und in ihrer geschriebenen Form allgemein verwendet wurde.

 

Damit verfolgte Lönnrot ein ganz anderes Ziel als Agricola. Agricolas Ziel war die kirchliche Unterweisung gewesen. Lönnrots Ziel aber war es, eine eigenständige finnische Nation zu schaffen. Diese künftige Nation aber sollte eine eigenständige Sprache haben  - das Finnische halt eben.

 

Lönnrot schuf die Grundlage einer finnischen Sprache, indem er den finnischen Natonalepos verfasste  - das Kalevala.

 

 

Er schaffte es aber auch, indem er die Rechtschreibung der finnischen Wörter vereinheitlichte.

 

Er schuf zudem viele neue finnische Wörter, die man in der geschriebenen finnischen Sprache brauchte. Einige von ihnen - wie etwa tasavalta, das finnische Wort für Republik - bestehen auch heute noch.

 

 

Bei der Schaffung dieser neuen Wörter waren er und andere Autoren darum bemüht, wirklich eigenständige finnische Wörter zu schaffen  - Wörter also, die sich von der schwedischen Sprache deutlich unterscheiden.

 

 

Nicht zuletzt ist Elias Lönnrot der Autor des ersten finnische Wörterbuchs, das immerhin 200'000 Wörter umfasst.

 

 

 

 

 

 

 

 

PROBLEME

 

 

 

 

Es ist nicht einfach, eine gesprochene Sprache schriftlich festzuhalten.

 

Agricola und auch andere Leute, die sich darum bemühten, sahen sich denn auch mit vielen Problemen konfrontiert.

 

 

 

 

1.

Welche Mundart?

 

 

Finnisch wurde damals in verschiedenen Mundarten gesprochen.

 

Diese unterschieden sich voneinander. Agricola musste sich deshalb für eine der verschiedenen Mundarten entscheiden, die er als Grundlage für die Schriftsprache nahm.

 

 

Agricola entschied sich für die Mundart aus dem Gebiet um Turku.Das war sinnvoll. Turku war bis bis 1912 die Hauptstadt Finnlands.

 

Es führte aber auch zu Problemen. Jene Leute, die eine andere Mundart sprachen, fühlten sich übergangen.

 

Heftige Streitereien waren die Folge, und man versuchte deshalb, auch Wörter aus anderen finnischen Dialekten in die Schrifstsprache zu übernehmen.

 

 

 

 

2.

Welche Schrift ?

 

Agricola nahm die lateinischen Buchstaben als Grundlage für das Schriftsystem. Theoretisch wäre es auch denkbar gewesen, dass er sich für die kyrillische Schrift entschied, die im damaligen Zarenreich verwendet wurde.

 

Für die lateinische Schrift entschied er sich, weil das Lateinische damals die Gelehrtensprache. Latein besass damals eine ähnliche Rolle wie heute das Englische: Es war die Sprache, in der man sich international verständigte, vor allem in der Wissenschaft.

 

 

 

 

3.

Welche Buchstaben?

 

 

Die gesprochene finnische Sprache musste natürlich in einzelne geschriebene Buchstaben überführt werden.

 

Doch welche Buchstaben entsprechen im Finnischen welchen gesprochenen Lauten?

 

Man sieht es den Schriften von Agricola an, dass er diesbezüglich oft unsicher ist: Ein und derselben Laut schreibt er nicht immer mit dem gleichen Buchstaben.

 

Hinzu kam noch, dass es bei einzelnen Lauten schwierig war, die entsprechenden Buchstaben in der lateinischen Sprache zu finden.

 

Das war zum Beispiel beim Buchstaben d der Fall  - eigentlich wurde der dem d entsprechende Laut nicht wie ein d ausgesprochen,  sondern wie das englische th.

 

Hätte Agricola die englische Sprache gekannt, hätte er zweifellos diesen Laut ebenfalls als th geschrieben  - nur kannte er diese Sprache nicht, und so vewendete er den Buchstaben d.

 

 

 

Bis die Rechtschreibung feststand, dauerte es denn auch noch einige Jahrhunderte.

 

 

 

4.

Welche Wörter?

 

 

Eine Mundart wird für das alltägliche Leben gebraucht. Für besondere Bereiche  - etwa für das kirchliche Leben, die Wissenschaften oder das Recht - fehlen die notwendigen Wörter.

 

Das war auch im Finnischen so. Der Wortschatz für das kirchliche Leben, das Recht oder die Wissenschaften wurden vom Lateinischen bereitgestellt. Oder vom Schwedischen, das bereits geschrieben wurde. Entsprechende Wörter im gesprochenen Finnisch gab es  nicht.

 

 

Das führte dazu, dass die Schöpfer der finnischen Schriftsprache verschiedene Wörter buchstäblich erfinden mussten.