wo das finnische einfach ist

 

 

Die finnische Grammatik ist kompliziert. Meistens jedenfalls. Denn es gibt drei Bereiche, wo sie einfach ist.

 

Sie ist dort einfach, wo es ums Rechtschreiben geht  - sehr, sehr einfach sogar.

 

Sie ist einfach, weil sie kaum Ausnahmen kennt.

 

Und sie ist einfach, weil sie viele Dinge nicht kennt, mit der man sich bei der deutschen Sprache herumschlagen muss.

 

 

das rechtschreiben: einfacher geht nicht mehr

 

 

Die finnische Rechtschreibung ist sehr, sehr einfach  - einfacher geht fast nicht mehr.

 

Überzeugen Sie sich selbst davon  - hier

 

 

 

    

die finnische sprache kennt fast keine ausnahmen

 

 

Die Regeln in der finnischen Sprache sind äusserst kompliziert. Aber man muss einen Punkt lobend erwähnen: Die Regeln kennen fast keine Ausnahmen.

 

Das sieht man vor allem bei den Verben. Die deutsche Sprache kennt bei ihren Verben viele Ausnahmen, vor allem, was die Vergangenheitsformen betrifft (gehen, ging, gegangen; singen, sang, gesungen etc.). Es sind in der deutschen Sprache um die 100 unregelmässigen Verben. Und noch mehr sind es im Englischen.

 

 

Und das Finnische?

 

Das Finnische rühmt sich, dass es lediglich 3 unregelmässige Verben kennt - mehr nicht.

  

 

Dass die Regeln so gut wie keine Ausnahmen kennen, hilft beim Lernen. Wer sich mit der finnischen Sprache auseinandersetzt, muss zwar echt anstrengen, um sich die Regeln zu merken. Ist dies aber erledigt, kann er oder sie diese Regeln fast immer und überall anwenden  - niemand muss sich über Situationen ärgern, in denen die Regeln nicht zur Geltung kommen.

 

Man sagt deshalb: Das Finnische ist am Anfang wie eine steile Bergwand, die man zu erklimmen hat. Das kostet viel Zeit und Energie. Hat man aber für einmal den Berg erklommen kommt man auf einen flachen Höhenweg, und die Wanderung wird sehr angenehm. 

 

 

 

fast keine vorsilben

 

 

 

Wenn man Deutsch lernt, wird man unweigerlich mit einem Problem konfrontiert. Es hat mit den Vorsilben zu tun. 

 

Was damit gemeint ist, sieht man an zwei Beispielen. 

 

Nehmen wir zuerst einmal das Wort finden. 

 

Vor dieses Wort kann man verschiedene Silben setzen:

 

erfinden

abfinden

befinden

einfinden

vorfinden

 

Oder ein zweites Beispiel 

 

einrichten

entrichten

abrichten

errichten

berichten

hinrichten

verrichten.

 

 

An diesen Beispielen erkennt man es klar: Man kann im Deutschen die Bedeutung eines Verbes ändern, wenn man eine Vorsilbe vor dieses Verb stellt  - und zwar kann man die Bedeutung sehr stark ändern: Niemand würde bestreiten, dass zum Beispiel die Vorsilben ent- und hin einen gewaltigen Unterschied ausmachen: entrichten ist nun einmal nicht das Gleiche wie hinrichten.

 

Wer Deutsch als Muttersprache hat, stört sich kaum an diesen Vorsilben. Die sind allen, die mit der deutschen Sprache tun haben, bestens vertraut. Für Leute aber, die Deutsch lernen müssen, sind sie eine echte Qual. Wer Deutsch lernt, muss eine Menge Wörter lernen, die sich nur anhand der Vorsilbe voneinander unterscheiden und die je nach Vorsilbe etwas ganz anderes bedeuten. Und so gibt es kaum jemanden, der angesichts der zahlreichen Wörter mit den Vorsilben ver und ent und hin und ab und ein und be nicht irgendwann man nahe an einem Schreikrampf ist.

 

Wie ist es im Finnischen?

 

Es wäre falsch zu sagen, dass dort keine Verben mit Vorsilben gibt. Aber es sind ihrer sehr wenige und meistens ist die Vorsilbe so, dass man ihre Bedeutung 

Problemlos herausfinden kann. 

 

Allgemein gilt aber, dass die finnischen Verben so gut wie vorsilbenfrei sind. Es ist also nicht üblich, dass man ein Verb nimmt und mit Hilfe verschiedener Vorsilbe eine ganze Reihe von Verben mit einer ganz anderen Bedeutungen konstruiert. 


Man nimmt damit also nicht die Vorsilben ent- und hin- und konstruiert daraus zwei Verben mit einer jeweils ganz anderen Bedeutung (enrichten/hinrichten). Stattdessen nimmt man zwei verschiedene Wörter, die dann auch verschieden tönen:

 

berichten heisst: kertoa

 

und hinrichten heisst: teloittaa. 


Auf den ersten Blick hat man vielleicht den Eindruck, dass dies ungünstig ist, weil man auf diese Weise gezwungen wird, zwei total verschieden tönende Verben zu lernen. Ungünstig ist es jedoch nicht. Aus der Lernpsychologie weiss man, dass es einfacher ist, zwei Verben zu lernen, die sich stark voneinander unterscheiden!