EIN KINDERBUCH AUS FINNLAND

 

 

 

1914 erschien in Finnland ein Kinderbuch mit dem Titel 'Kiljusen herrasväki'. Das Buch wurde zu einem Bestseller, der mehrfach verfilmt wurde und der auch heute noch gelesen wird. Geschrieben hat das Buch Jalmari Finne.

 

  

 

 

Jalmari Finne war Theaterregisseur. Diese Tätigkeit gab er jedoch auf, als er etwas über 30 Jahre alt war. Er wurde Schriftsteller. Als Schriftsteller wollte er Romane und Theaterstücke schreiben. Kinderbücher zu schreiben, plante er jedoch nicht. Dazu hielt er sich für nicht geeignet.

 

Eine Bekannte von ihm gab eine Zeitschrift für Kinder heraus, die den Namen 'Pääskynen' (Schwalbe) trug. Die Bekannte bat Finne, für diese Zeitschrift etwas zu schreiben.

 

Finne tat ihr den Gefallen. Er schrieb zuerst einmal Geschichten, die einen historischen Hintergrund besitzen.

 

Die Geschichten waren mässig erfolgreich.

 

Nach einiger Zeit schlug die Herausgeberin der Zeitschrift Finne vor, etwas Erheiterndes zu schreiben.

 

Finne tat ihr auch diesen Gefallen.  Er schrieb eine Geschichte, die von der Familie Schreihals handelte. 'Schreihals' hiess die Familie deswegen, weil sich die Mitglieder der Familie nur schreiend miteinander unterhielten.

 

 

Ein erster Teil dieser Geschichte erschien 1909 auf den Seiten 74 und 75 in der Aprilausgabe des Kindermagazins Pääskynen . Sie trug den Titel 'Die Familie Schreihals besucht Helsinki.'

 

 

Die ersten Zeilen der Geschichte lauteten:

  

Die Familie Schreihals lebte auf dem Land. Sie besass dort einen Gutshof. Sie waren zu viert: Der Vater Schreihals, ein kleingewachsener, rundlicher und glatzköpfiger Mann; die Mutter Schreihals eine triefäugige Frau, die dünn wie ein Stecken war, und dann die Söhne Mökö und Luru, die beide gleich alt waren. Mökö glich dem Vater, und man kann von da her ableiten, dass er nicht besonders schön war. Eine Glatze hatte er zwar nicht, aber sonst glich er dem Vater aufs Haar. Luru wiederum glich seiner Mutter, und man kann von da her ableiten, dass auch er keine Schönheit war. Mökö und Lulu hiessen eigentlich Luru und Lenhart, doch da sich niemand mehr daran erinnerte, wurden sie Mökö und Luru genannt.

 

 

 

lesen Sie hier weiter.

 

Diese Geschichte war erfolgreich. Sie gefiel den Kindern. Diese schrieben der Herausgeberin des Kindermagazins und baten um eine Fortsetzung.

 

Finne tat den Kindern den Gefallen. In den nächsten Ausgaben der Kindermagazins erzählte er die Geschichte weiter. Und da auch die Fortsetzung gefiel, liess er eine weitere Geschichte folgen... und noch eine.... und noch eine.

 

5 Jahre später schlug Finne seinem Verleger vor, die Geschichten zu sammeln und in einem Buch zu veröffentlichen. Der Verleger wollte dies nicht. Er fand, dass die Geschichten bereits in einer Zeitschrift erschienen waren - niemand würde ein Buch mit Geschichten kaufen wollen, die man bereits anderswo hatte lesen können.

 

Der Verleger täuschte sich.

 

Die Kinder wollten durchaus die Geschichten in einem Buch lesen.  Eine erste und auch eine zweite Auflage des Buches war im Nu verkauft.

 

 

Das Buch erschien 1914. Es trug den Titel Kiljusen Herrasväki.

 

Ein Kinderbuchklassiker war geboren.

 

 

 

In den nächsten 11 Jahren schrieb Finne weitere Geschichten, die in weiteren Büchern erschienen. Am Schluss waren es 8 Bücher, die alle von den haarsträubenden Abenteuern der Familie Schreihals handelten.

 

Mit der Zeit war es Finne leid, ständig Geschichten von der Familie Schreihals erzählen zu müssen.  Er liess deshalb die Familie in ein anderes Land auswandern. Damit glaubte er, die Geschichten der Familie abschliessen zu können.

 

Diesmal täusche sich Finne.

 

Die Kinder in Finnland vertrugen dies schlecht. Sie übten so grossen Druck auf Finne und den Buchverlag aus, dass Finne eine weiteres Buch verfasste: Die Familie Schreihals kehrte nach Finnland zurück und richtete in ihrer gewohnten Manier ein Chaos an.

 

 

 

Die Geschichten der Familie Schreihals haben bis heute Bestand. Sie werden zu den Klassikern der Kinderbuchliteratur in Finnland gezählt. Sie werden neu aufgelegt. Sie werden als Theater aufgeführt. Und wäre nicht Corona dazwischen gekommen, hätten 2021 gleich zwei Produktionsfirmen unabhängig voneinander einen Film in die Kinos gebracht, die der Familie Schreihals gewidmet ist

 

 

 

 

Eine Leseprobe zur Familie Schreihals hier 

 

Mehr zu den anderen Kinderbüchern von Finne hier  

 

 

 

Wie sieht es heute mit dem Kinderbuchklassiker in Finnland aus?   Mehr dazu hier

 

 

 

Quellen

 

https://digi.kansalliskirjasto.fi/search?query=Jalmari%20finne&startDate=1909-01-01&endDate=1909-12-31&orderBy=RELEVANCE&formats=JOURNAL      (Zeitschrift Pääskynen, in den die erste Geschichte erschienen sind), Z 3 12 2020       hier

 

 

 

 

 

 

 

Wie sieht es heute mit dem Kinderbuchklassiker in Finnland aus?   Mehr dazu hier

 

 

 

Quellen

 

https://digi.kansalliskirjasto.fi/search?query=Jalmari%20finne&startDate=1909-01-01&endDate=1909-12-31&orderBy=RELEVANCE&formats=JOURNAL      (Zeitschrift Pääskynen, in den die erste Geschichte erschienen sind), Z 3 12 2020       hier

 

 

 

 

 

Pippi Langstrumpf und die schreihals-kinder

 

 

 

Wenn man die Geschichten der Familie Schreihals und ihrer beiden Söhne liest, kommt man nicht umhin, an Pippi Langstrumpf zu denken. Tatsächlich weisen die Söhne der Familie Schreihals und Pippi Langstrumpf eine Gemeinsamkeit auf: Alle drei sind sie Kinder, die gegen die Normen der Erwachsenenwelt verstossen und die sich nicht so benehmen, wie dies wohlerzogene und brave Kinder tun sollten.

 

Allerdings gibt es zwischen Pippi Langstrumpf und den beiden Söhnen der Familie Schreihals einen wesentlichen Unterschied: Bei Pippi Langstrumpf hat man den Eindruck, dass sie bewusst und auch absichtlich gegen die Vorschriften und Regeln der Erwachsenen verstösst. Bei Mökö und Luru, den beiden Söhnen der Familie Schreihals, sieht dies anders aus: Sie sind keine aufmüpfigen Kinder, die sich gegen die Erwachsenen auflehnen wollen. Sie sind Kinder,  die unbedacht handeln und die ständig etwas tun, das sie nicht tun sollten.

 

Und ein weiterer Unterschied besteht: Pippi ist eine ziemlich wortgewaltige Person. Die beiden Söhne Mökö und Luru dagegen sind dies nicht  - sie sprechen kaum einmal etwas.

 

 

 

Quelle

 https://www.astridlindgren.com/de/figuren/pippi-langstrumpf  Z 12 1 2021

 

 

 

 

 

Eine Leseprobe zur Familie Schreihals hier 

 

 

Mehr zu den anderen Kinderbüchern von Finne hier