DIE FINNISCHE RECHTSCHREIBUNG

 

 

 

 

 

 

 

2 Regeln genügen für die rechtschreibung

 

 

 

Die finnische Sprache hat einen schlechten Ruf: Sie ist sehr schwierig.

 

Die finnische Rechtschreibung hat einen guten Ruf. Sie ist sehr einfach.

 

 

 

 

Sie ist einfach, weil sie sich auf zwei Regeln abstützt  - nur auf zwei Regeln.

 

 

 

Regel 1

 

Ein und derselbe Laut wird immer mit ein und demselben Buchstaben geschrieben.

 

Kommt in einem gesprochenen Wort der Laut 'a' vor, wird dieser immer als a geschrieben. Kommt ein i vor, wird diese als i geschrieben u. s. w.

 

Es gibt keine Ausnahmen.

 

 

 

Regel 2

 

Ein und derselbe Buchstabe wird immer mit dem gleichen Laut ausgesprochen.

 

Wenn in einem geschriebenen Wort der Buchstabe 'a' vorkommt, wird dieser Buchstabe immer als a ausgesprochen. Kommt ein 'o' vor, wird dies als o ausgesprochen.

 

Es gibt keine Ausnahmen.

 

Zum Vergleich: Kommt in einem englischen Wort der Buchstabe a vor, kann dieser sehr verschiedenen ausgesprochen werden. Das merkt man zum Beispiel an den englischen Wörtern fast, lake, bat und leader: Bei jedem Wort wird der a verschieden ausgeprochen!

 

 

 

Das Schöne an diesen beiden Regeln ist: Sie werden konsequent eingehalten.

 

Die finnische Sprache wird damit lautgetreu geschrieben und gelesen.

 

 

 

Über die Anfänge der finnischen Rechtschreibung: siehe hier

 

 

Die finnische Sprache kommt den finnischen Kindern entgegen. Sind sie in der Primarschule, lernen sie schnell einmal lesen - wobei ohnehin rund ein Drittel der Kinder ohnehin schon lesen kann, bevor die Primarschule beginnt.

 

 

 

 

 

 

dehnungen und schärfungen: äusserst einfach geregelt

 

 

Wenn Sie finnische Texte ansehen, stossen Sie auf Wörter, bei denen Helllaute doppelt vorkommen: saada oder teeri oder moottori.

 

Kommen diese Helllaute doppelt vor, bedeutet dies dass sie lang ausgesprochen werden.

 

Die finnische Sprache hat damit auf eine sehr elegante Art und Weise das Problem gelöst, wie man lang gesprochene Helllaute schreibt: Man verdoppelt sie.

 

Was dann umgekehrt heisst: Kommt nur ein Helllaut vor, wird dieser kurz ausgesprochen; kommt er doppelt vor, wird er lang ausgesprochen.

 

Das gilt für alle Helllaute. Es gilt damit auch für die Helllaute i und u, die wir im Deutschen nicht verdoppeln dürfen. Dementsprechend trifft man im Finnischen auf Wörter wie Berliini für Berlin, oder kuuma: Ein lang ausgesprochener o oder u führt dazu, dass diese doppelt geschrieben werden.

 

 

 

Es lohnt sich an dieser Stelle ein Blick auf die deutsche Sprache:

 

Im Deutschen kann es sein, dass man einen lang ausgesprochenen Helllaut mit zwei Buchstaben schreibt: Moor oder See zum Beispiel.

 

Im Deutschen kann es auch sein, dass man einen lang ausgesprochenen Helllaut mit einem ie (Wiese), einem ih (ihre) oder gar mit einem ieh schreibt (Vieh).

 

Im Deutschen kann es aber auch sein, dass man einen lang ausgesprochenen Helllaut nur mit einem Buchstaben schreibt: Im Wort Bibel zum Beispiel wird der i lang ausgesprochen, geschrieben aber wird nur ein i. Nicht erlaubt ist es, den i zu verdoppeln: Biibel geht also nicht. Und auch Muut geht nicht, selbst wenn der u in Mut lang ausgesprochen wird.

 

 

 

 

Merkwürdig ist das finnische Wort moottori. Da wird der o doppelt geschrieben und damit lang ausgesprochen - und trotzdem kommt nachher ein doppelter t.

 

In der deutschen Sprache ist dies undenkbar. Denn deutsche Helllaute müssen kurz ausgesprochen werden, wenn nach ihnen ein doppelter Leiselaute kommt. Das merkt man beispielsweise an den Wörtern trimmen oder Kamm oder Komma  oder hatte: Doppelter Leiselaut, kurz ausgesprochener Helllaut.

 

Merkwürdig ist dies im Finnischen jedoch nicht. Das Wort moottori wird zuerst einmal mit einem langen o ausgesprochen  - dass er lang ausgesprochen wird, merkt man daran, dass der Buchstabe o im Wort doppelt vorkommt.

 

Und was ist mit den beiden tt? Kommt ein doppelter Leiselaut nach Helllauten, bedeutet dies nicht,  dass der Helllaut kurz ausgesprochen wird: Eine Verdoppelung kürzt damit also den vorhergehenden Helllaut  im Finnischen nicht. Und es bedeutet auch nicht, dass ein t stark ausgesprochen wird.

 

 

 

Was dann?

 

Ganz einfach: Um es zu verstehen, muss man sich lediglich an die Regeln der finnischen Rechtschreibung erinnern. Eine der Regeln heisst, dass man so spricht, wie man schreibt. Das trifft auch auf das Wort moottori zu.  Weil es zwei o hat, spricht man es mit einem langen o aus, und weil zwei t vorkommen, bedeutet dies, dass man die zwei t auch als zwei t ausspricht.

 

In der Tat werden zwei t gesprochen, auch wenn die Sprechpause zwischen den beiden t oft sehr kurz und fast nicht hörbar ist.

 

Für deutschsprachige Leserinnen und Leser führt dies zu unvertrauten Buchstabengebilden.

 

Wie zum Beispiel das Wort ooppera  -  es wird mit einem langen o und mit zwei aufeinanderfolgenden p ausgesprochen.

 

Aber eben. Es ist zwar unvertraut. Doch es ist sehr logisch, wenn man die beiden eisernen Regeln der finnischen Rechtschreibung anwendet!

 

 

 

 

 

 Übrigens...

 

 

Warum finnische Kinder schnell und gut lesen lernen: mehr dazu hier.

 

Ein Grund, warum finnische Kinder schnell und gut lesen lernen: Die finnische Sprache hat nur wehr wenige verschiedene Buchstaben. Aber warum eigentlich?  Mehr dazu hier.